Nach liken, twittern, plussen: Pinnen!
Von Ina Steinbach am Februar 05, 2012 — Kommentar hinterlassenNicht die Augen verdrehen, bitte! Ja, Pinterest ist gerade die nächste Sau, die durchs digitale Dorf getrieben wird. Anders als die App “Path”, ein anderer Hype vergangener Wochen, zeigt Pinterest sein Potenzial aber schnell und teilweise mit überraschender Intensität.
Oberflächlich gesehen ist Pinterest erst einmal schlicht und ergreifend hübsch. Statt einer Timeline mit viel Text und unterschiedlichsten Inhalten locken hier: Bilder. Sauber arrangiert in selbst angelegten “Boards”, wie hier in meinem eigenen Profil.
Pinterest ist eigentlich ein klassischer Bookmarking-Dienst, nur eben allein visuell gesteuert. Besonders spannend wird das in den Bereichen Mode, Fotografie, Design und Kochen, die dementsprechend die Plattform ganz klar dominieren. Aber bloß nicht Abschrecken lassen von Streetstyle-Paraden und einen schier unfassbaren Menge an Hochzeitsbildern – Pinterest lebt wie alle sozialen Netzwerke davon, dass man sich sein Netzwerk nach eigenen Interessen aufbaut. Wenn man erst einmal angefangen hat, sich durch die bunten Bilder zu klicken, stellt sich recht schnell ein gewisser Suchtfaktor ein – und auch Bookmarken macht irgendwie mehr Spaß, wenn man es mit Illustrationen macht. Durch die Abwesenheit komplizierter Privatsphäre-Einstellungen (das Pinterest-Profil ist öffentlich, nur die Auffindbarkeit durch Suchmaschinen kann ausgestellt werden) nutzt man Pinterest weniger für Privates als für den Austausch zu gemeinsamen Interessen.
Abgesehen vom Spaßfaktor kann Pinterest aber auch etwas für Unternehmen tun. Ganz besonders für den eCommerce. Ersten Studien zufolge sorgt Pinterest bereits jetzt für ordentlich Traffic auf den verlinkten Seiten. Dass Onlinehändler davon besonders profitieren können, liegt in der Natur der Plattform – mit Pinterest lassen sich Lieblingsprodukte schließlich auf denkbar einfachste Art und Weise teilen. Olaf Kolbrück gab schon vor einigen Tagen auf Etailment einige gute Impulse für die aktive Nutzung von Pinterest für den eCommerce, Mashable zeigte das Potenzial und Wachstum der Plattform mit einer beeindruckenden Infografik auf. Nun klingt 400% Wachstum natürlich unglaublich beeindruckend. Fast spannender finde ich aber die Zielgruppe, die sich auf Pinterest bisher sammelt. Kurz zusammengefasst: 80% Frauen (!!), mittleres Haushaltseinkommen, mittleres Bildungsniveau und offenbar hohes Interesse an allen Themen rund ums Haus, die Kinder und anderen Konsumbereichen des Alltags. Dies sind natürlich bisher Zahlen aus den USA – zeigen aber deutlich, wie gut Pinterest durch die Reduktion aufs Wesentliche funktioniert und als Bookmarking-Dienst für Konsumgüter benutzt wird. Wer sich die Plattform selbst genauer anschaut, merkt schnell, warum Pinterest hierfür so gut funktioniert. Ein Beispiel: Auf der Suche nach einem Bild für’s neue Büro pinnte ich ein Fußballposter, eigentlich nur um es später schneller wiederzufinden. 21 Repins und Likes von mir unbekannten Personen innerhalb kurzer Zeit festigten meine Kaufentscheidung jedoch unerwartet schnell – und das Poster wanderte in den virtuellen Einkaufswagen. Hätten 21 Freunde auf Facebook das Poster geliked, hätte ich zuvor wohl geschaut, welche Freunde das waren und ob ich ihrem Geschmack vertraue. Dadurch, dass man sich auf der neuen Plattform eher mit Unbekannten zu Interessensgebieten vernetzt, vertraut man aber den fremden Meinungen außergewöhnlich schnell.
Durchklickenswert als weitere Inspiration für professionelle Nutzung: Social Media Today hat ein wenig gesammelt und über 100 Marken gefunden, die Pinterest bereits aktiv nutzen. Die Boards von Unternehmen fügen sich unaufdringlich in die Plattform ein – denn letztendlich posten alle nur Bilder, auch Unternehmen. So fallen “werbliche” Inhalte gar nicht weiter auf und Unternehmen können ihre Klickzahlen dank Pinterest pushen. Man darf gespannt sein, wie lange Unternehmenspräsenzen auf Pinterest noch so “pur” bleiben.
Ach ja, und erwähnte ich, wieviel SPASS Pinterest macht?






